Studentenverbindungen - Persönlichkeitsbildung Dank Party in Couleur?
Karriere als Hohe Dame  | Verbindungen: Bringen sie der Karriere wirklich was? Foto:jifi |
Weiblich, jung und neu in Freiburg? So könnte die Kontaktanzeige der zurzeit ältesten aktiven Akademischen Damenverbindung Merzhausia aus Freiburg aussehen. Vorsitzende der Hohen Damen, Anwältin Andrea Schwab sagt: „Man lernt Soft Skills wie Organisation und unterschiedliche Charaktere unter einen Hut zu bringen.“
Zudem seien Kontakte zu berufstätigen Mitgliedern bei der Praktikumssuche hilfreich. Schließlich gelte das Prinzip der lebenslangen Verbundenheit.
Zahlreiche bekannte Persönlichkeiten aus dem Lande sind in Studentenverbindungen. Ministerpräsident Günther Oettinger ist beispielsweise als ehemaliger Tübinger Jurastudent ein Alter Herr der Landsmannschaft Ulmia.
Gemeinsame Aktivitäten, traditionelle Feiern, Kontaktpflege und teils politisch gefärbte Prinzipien: die Unterschiede zwischen den in Freiburg etwa 31 Korporationen sind groß.
„Wir raten jedem Erstsemester von Verbindungen ab“, sagt Lukas Schäfer, Vorstand des Allgemeinen Studierendenausschusses AstA in Freiburg. Vorteile seien zwar günstige Wohnungen und Vitamin B. Die ausschließlich internen Aktivitäten würden sich aber auf Parties beschränken. „Die Verbindungen sind so in sich geschlossen, reagieren teils auch aggressiv auf Fragen, das hat schon fast sektenartige Züge“, sagt Schäfer, der nach eigenen Angaben nach Presseveröffentlichungen Drohanrufe erhalten hatte. fm
Von Hohen Damen, Alten Herren und Burschen
Hintergrund: Nach dem Lebensbundprinzip unterstützen Verbindungsmitglieder als Alte Herren oder Hohe Damen ihre Korporation auch noch im Berufsleben. Manche der konfessionellen oder nicht-konfessionellen Verbindungen tragen als Erkennungsmerkmal in Schärpen und Uniformen bestimmte Farben, andere führen Couleur lediglich in ihren Fahnen und Wappen, wieder andere verzichten ganz auf Farben. Schlagende Verbindungen betreiben das akademische Fechten.
In Deutschland gehören etwa drei Prozent aller Studenten einer der 1000 Verbindungen an. Die meisten sind ausschließlich Männern vorbehalten. Die stärkste Gruppe mit knapp 30 000 Mitgliedern, davon 5500 Studenten, sind die katholischen CV-Verbindungen, gefolgt von Burschenschaften und Corps. In der Öffentlichkeit werden Selbstbezogenheit, Bildung von Seilschaften und die konservativen Einstellungen mancher Verbindungen kritisch gesehen.
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